Laufbericht

Köln - 6- & 12-Stunden-Lauf am 19. September 2004 - "Powerschnecke schon wieder in Köln"

Montag, 20. September 2004


Köln ist immer eine Reise wert, aber zweimal hintereinander? Und so eine Scheißstrecke - nicht die Laufstrecke, sondern die Fahrstrecke. Die Autobahn A1 ist das Schlimmste, was man sich vorstellen kann und um Wuppertal wird in Zukunft ein Bogen von 100 km gemacht. Letzte Woche schon nach dem Köln-Marathon vor Wuppertal zwei Stunden gestanden - im fortgeschrittenem Alter ist man ja ziemlich müde nach so ein bißchen Laufen. Aber die Jungs sind ja lernfähig und hatten sich über die Woche was Neues ausgedacht; dieses Mal: wie kriege ich auch nachts um 22 Uhr noch einen 2-Stunden-Stau hin? Ganz einfach, die Straße hatte mal ursprünglich drei Spuren, von denen wir einfach eine mal zumachen - der neue Gag: wir machen auch die zweite Spur zu. Hurra, und um 22 Uhr kommen dann die Millionen Laster dazu. Das ist doch ne feine Sache.

Hinterher ist man immer klüger: Otterndorf bei Cuxhaben wäre sicher einfacher und schneller zu erreichen gewesen - zumal man da ja die Chance gehabt hätte, Meister Affenzahn zu versägen (“hey, was war los, Affe? keine Kippen dabei gehabt? oder hat der Wind Dein Klappergestell zerblasen?”). Aber so ein 6-Stunden-Lauf ist auch ein tolles Ding (da läuft die Uhr ab, auch wenn man am Verpflegungsstand rumsteht und in der Nase bohrt), das war er nämlich; ein Läufer, der gerade bei einem Streckenposten ein Päuschen einlegte, erklärte den immer interessierten Zuschauern in dem Wohngebiet, dass die Nicht-Weicheier schon seit 7 Uhr laufen und einen 12er hinlegen, während die hauptsächlich alten Männer erst mal morgens ihre Gesichtsmaske anlegen mußten und so nun gegen 13 Uhr starten durften.

Ort des Gehetztes: hinter Köln hinten rum, in Lövenich, veranstaltet von Wolfgang Olbrich-Beilig und seinen Stammtisch-Kumpanen (wird da auch gelaufen oder nur gesoffen?). Wolfgang kennt man seit dem Isarlauf, als man damals oft bemerkte, man müßte eigentlich schneller laufen. “Hey, neue Frisur (3-Millimeter-Modell)?” - “Ja, windschnittiger”. Die Strecke ist quasi rechteckig in Form eines L, 2 km genau - da können sogar nicht-Mathe-Genies immer einigermaßen genau mitrechnen - mit den 500 Metern jeweils zusätzlich genau angegeben - und flach - schöne nette Geste: die letzten 200-300 Meter ins Ziel gehts minimal, aber trotzdem, man ist ja dankbar für alles, runter. Die sengende Hitze wie beim Köln-Marathon letzte Woche findet nicht statt, der Wind pfeift kühlend über offene Wiesen und Felder, ca. die Hälfte der Strecke. Bernhard Sesterheim wählt den Piraten-Look und verzichtet (wahrscheinlich ungern) aufs Fremdenlegionärs-Wüsten-Käppi.

Bei der Ankunft sausen schon dreißig Bekloppte (also die 12er) durch die Gegend, man kann sich erst mal sattsehen und mosern und maulen und lästern und ihnen im Weg stehen und den Platz an der Verpflegung streitig machen (natürlich auch alles wegfuttern und wegsaufen). Felix Kainz ist aus Berlin angereist, zwar ohne Frau Eichner, die noch unter den französischen Liebesgrüßen im Darm zu laborieren hat, aber dafür mit einem Rainer (mit Davos T-Shirt) aus Berlin. Überhaupt, diese Davos-Hemden erfreuen sich großer Beliebtheit (ca. 3-4 sind heute unterwegs). Rainer erzählt von seinen 2:43 oder so wat im Marathon, aber Felixchen meint: “Das war vor 20 Jahren, davon träumt er jetzt”.

Steppenhahn trödelt daher, mit frischen Locken und Geisbockbart. Felix: “Mit kurzen Haaren sahst du jünger aus. Startest Du jetzt in der M60?". Steppenhahn verschlägst die Sprache und brummelt nur: “Du kannst eine an die Birne haben” - und mault noch: “Nur dumme Sprüche hier und keine Raucher” und zottelt weg.

René Wallesch, ein 12er, geht schon um 12 Uhr zu Fuß, also nach 5 Stunden bereits, das heißt es sieht nach langem Wandertag aus, und hat auch nur dumme Sprüche drauf. Er sei entschuldigt, da er nur 2 Stunden geschlafen habe. Das wird bestraft werden, er wird 5 Mal überrundet, entrundet sich aber wieder zweimal: “Die Schande kann ich nicht auf mir sitzen lassen. Warte nur, in Troisdorf wird das wieder anders.” Wolfgang Braun, lädiert seit dem Spreelauf (Sehnenscheidenentzündung am Schienbein - man lernt nie aus) hat beoachtungweise in seinem Campingstuhl und ein Bein hoch auf dem Tisch alles im Griff und ist die beste Quelle für wer wo was wann wie heute. Er meint, dass René viel zu schnell angegangen sei - aha.

Zum Start um 13 Uhr vor den ChampionChip-Matten (jawohl, hier wird genau gearbeitet) müssen die 12er behindert werden, hier kommt jetzt keiner durch. Detlev Ackermann von Sich-Verlaufen-in-Köln, oder wie dat Ding auch heißt, macht Fotos - hoffentlich steht kein Dickbauchiger verbotenerweise in der ersten Reihe.

Die Meisten rattern los wie von Hunden gehetzt, unter anderem auch ein gewisser Herr Isringhausen-Dingsbums - er läuft wie ein Beseelter oder Besessener hinter einem Esel mit einer Zigarette hinterher - Überrundung sogar, holy Cow - aber er wird das bezahlen und wird zum Schluß wieder kassiert und in Grund und Boden gelaufen. 20 Minuten vor Schluß, beim Gehen ertappt: “Hey Schlappohr, in Waldhessen im März haben Deine Jungs gesagt : Na Alter kannste nicht mehr” - “Jo, kann ich nicht mehr, aber heut darf ich das, da sind sie ja nicht dabei”.

Uwe Cizinski aus Kiel wird kennen gelernt - während er zuvor brettert und überholt und überholt, wählt er die sechste Stunde als die Krisenstunde und man dreht zusammen ne Runde. Die vier Streckenposten an strategischen Ecken bzw. bei einer Straßenüberquerung geben alles und klatschen und feuern an - das ist schon anstrengend beim Zuschauen. Thorsten Red Bull Themm ist eine solide Bank und trägt die gelben Klamotten in Ehren. Hugh Hunter, es sind ja immer dieselben Verrückten, man kennt sich seit Davos und Leipzig, scheint sich für London-Brighton nächste Woche zu schonen - er sollte wieder im Schottenrock laufen - aber immer gut drauf, der Junge. Georg Weiss, Spezi seit dem Isarlauf, hat wieder einen Flitzer-Tag und kann sich nebenbei noch als Jobvermittler betätigten, da er eine Stelle für eine Mitläuferin sucht. Mal was Neues: Stellenvermittlung während des Ultras. Es heißt ja, dass beim Golf die meisten Big Deals abgeschlossen werden - warum nicht beim Marathon? Allerdings interessiert uns so altmodischer Kram wie Zeugnisse, Empfehlungsschreiben usw. nicht mehr - Bestzeiten sind ausschlaggebend, sonst nix.

Conny und Sigggi Bullig schauen auch zum Ratschen vorbei - Sigggi muß unbedingt Action-Fotos machen, das kann man ihm anscheinend nicht abgewöhnen. Plötzlich steht eine Riesenmonsterschnecke an der Straßenecke, wo gerade die 1500 Meter-Markierung ist - hat er die mitgebracht? - später steht das Megaviech auf Felix Campingtisch, den auch Powerschneggi mitbenützt (“mach nicht soviele Milchflecken drauf!”). Felix stöhnt sich wie man ihn kennt von Runde zu Runde - Felix schleicht sich, wie angekündigt, tatsächlich langsam vom Ultralaufen davon und verscherbelt schon gewisse Utensilien. Ob er aufm Rennrad glücklicher sein wird?

Die abgelaufene oder bei vielen zum Schluß abgewanderte Strecke wird genauestens per Meßrad abgemessen und bei der Gelegenheit gibts eine Medaille - woa, beim 6-Stunden-Lauf gleich eine Medaille - das kann sich sehen lassen. Duschen sind optimal, allerdings unter manchen muß man zwischen den Strahlen hin und her hüpfen, da in der Mitte des Duschkopfes nix rauskommt.

Fazit: empfehlenswerter 6-Stunden-Lauf - vermutlich war der 12er genauso, nur länger - familiäre Atmosphäre (man kann aber auch nix verbergen, man selbst und seine Schwächen bleiben nicht unentdeckt) - Futter und Trinken genügend und prima - wenn man dann noch schneller und länger laufen könnte, wärs quasi nicht auszuhalten.

Grüzi
Powerschnegge

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